Die ersten 100 Tage: Warum 30% der Lehrlinge in der Probezeit abspringen (und wie Sie das verhindern)
Von Patrick Bergher
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Der Start ist geschafft. Die Ausbildungsverträge sind unterschrieben. Doch die Freude hält oft nicht lang. Die kritische Phase beginnt jetzt.
Die Probezeit ist für beide Seiten ein Härtetest. In dieser Zeit kommt es besonders häufig zu Vertragsauflösungen. Doch woran liegt das?
Der Ausbildungsmarkt hat sich stark verändert. Viele Jugendliche haben falsche Vorstellungen. Ihnen fehlt vorab eine echte, praxisnahe Berufsorientierung. Auch eine rechtzeitige Berufsberatung wird oft versäumt.
Alles auf einen Blick
- Die ehrliche Kamera: Wie ein einfaches Videoformat teure Fehlentscheidungen im Vorfeld verhindert.
- Die versteckte Gefahr: Warum sich viele Jugendliche am Arbeitsplatz heimlich überfordert fühlen.
- Die goldene Frage: Welches kurze Gespräch teure Abbrüche sofort im Keim erstickt.
- Der wahre Wert: Wie Sie junge Talente zu loyalen Fachkräften von morgen formen.
| Fakten zur Lehrausbildung | Aktuelle Entwicklung |
|---|---|
| Vorzeitige Vertragslösungen | Ca. 30 % aller Verträge |
| Hauptgrund für den Lehrabbruch | Mangelnde Ausbildungsqualität |
| Wichtigster Hebel | Strukturierte Prävention |
Warum die Lehrabbruchquote so hoch ist
Sehen wir uns die nackten Zahlen an. Die offizielle Lehrlingsstatistik der Wirtschaftskammer zeigt hier ein klares Bild.
Die Vertragslösungsquote bei den Lehrverträgen ist auf einem besorgniserregenden Niveau. Diese Lösungsquote schmerzt. Fast jeder dritte Ausbildungsplatz wird in den ersten Monaten vorzeitig wieder frei. Das ist ein massiver Dropout direkt in der Startphase.
Diese hohe Abbruchquote ist für alle Beteiligten ein herber Rückschlag. Ein häufiger Grund ist ein schlechter Ausbildungsverlauf. Oft fehlt es im Betrieb an klarer Struktur. Das führt bei den Jugendlichen schnell zur inneren Überforderung.
Warum Meister*innen und Jugendliche aneinander vorbeireden
Traditionell geführte Betriebe verzweifeln bisweilen an den Verhaltensweisen der neuen Generationen. Handwerksmeister*innen klagen über mangelnden Einsatz. Die Jugendlichen fühlen sich dagegen schlichtweg unverstanden.
Dahinter steckt selten echte Faulheit. Es ist eine grundlegend veränderte Erwartungshaltung an das moderne Arbeitsleben. Junge Menschen suchen heute nach einer sinnvollen Tätigkeit. Sie wünschen sich eine Vermittlung auf Augenhöhe.
Ein gewaltiges Problem stellt dabei die gefürchtete Statusangst im privaten Kreis dar. Niemand möchte in seiner sozialen Gruppe als reine Hilfskraft abgestempelt werden. Jugendliche wollen stolz von echten Errungenschaften berichten.
Bleiben sichtbare Erfolgserlebnisse in den ersten Wochen aus? Werden ausschließlich monotone Hilfsdienste geleistet? Dann schwindet die Identifikation mit dem Ausbildungsberuf im Eiltempo. Das Risiko für einen Ausbildungsabbruch steigt massiv.
Wie Sie den Generationenkonflikt in der Werkstatt lösen
In vielen Werkstätten prallen heute Welten aufeinander. Langjährige Gesell*innen der Baby-Boomer-Generation treffen auf Jugendliche der Generation Z oder Alpha.
- Die ältere Generation hat oft noch eine harte Kultur erlebt.
Damals galt sprichwörtlich: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Anweisungen wurden selten hinterfragt. - Jugendliche von heute fordern hingegen ein klares „Warum“ hinter ihren Aufgaben ein.
Sie sind in einer Welt des unbegrenzten Informationszugangs aufgewachsen. - Dieser veränderte Kommunikationsanspruch wird von älteren Mitarbeiter*innen oft missverstanden.
Sie interpretieren ihn fälschlicherweise als Respektlosigkeit oder mangelnden Arbeitseifer. - Um diesen Konflikt produktiv aufzulösen, müssen Unternehmen als Vermittler auftreten.
Zeigen Sie den erfahrenen Gesell*innen: Das Hinterfragen von Prozessen ist kein Angriff auf ihre Autorität. Es ist Ausdruck von Interesse und dem Wunsch nach Mitgestaltung. - Gleichzeitig benötigen Jugendliche das Verständnis für unumstößliche handwerkliche Routinen und Sicherheitsvorschriften.
Die duale Berufsausbildung lebt von diesem Austausch auf Augenhöhe. Nutzen Sie gezielte Workshops oder gemeinsame Teambuilding-Maßnahmen.
Wenn die älteren Meister*innen die digitale Stärke der Jugendlichen schätzen, entsteht Erfolg. Wenn die Lehrlinge im Gegenzug die tiefe Fachkompetenz der Meister*innen respektieren, gewinnen alle. Diese produktive Symbiose stärkt das Betriebsklima. Zudem ist sie ein entscheidender Hebel, wenn Sie vorzeitige Ausbildungsabbrüche vermeiden wollen.
– Patrick BergherDie drei Phasen der ersten 100 Tage
Der Einstieg in den Beruf ist eine emotionale Achterbahnfahrt. Jugendliche durchlaufen in den ersten 100 Tagen drei typische Phasen. Wenn Sie diese Phasen kennen, können Sie gezielt eingreifen.
Phase 1: Die Orientierung (Woche 1 bis 2)
- In den ersten Tagen herrscht meist große Euphorie. Alles ist neu und aufregend. Doch hinter der Fassade verbirgt sich oft Unsicherheit. Nutzen Sie diese Zeit für ein herzliches Willkommen.
Phase 2: Der Realitätsschock (Woche 3 bis 6)
- Der Alltag kehrt ein. Die Arbeit wird anstrengend. Die Jugendlichen spüren die körperliche und geistige Belastung.
Als ich 2015 meine Doppellehre in der Metallbau- und Elektrotechnik begann, ging es mir genauso. Der Wechsel von der Schule in die Praxis ist hart. Ich weiß aus eigener Erfahrung: Genau in dieser Phase zweifeln viele an ihrer Entscheidung. Ausbilder*innen müssen jetzt besonders gut zuhören.
Phase 3: Die Gewöhnung (Woche 7 bis 14)
- Hier entscheidet sich der weitere Weg. Entweder das neue Teammitglied fühlt sich voll integriert. Oder die Kündigung wird im Geheimen vorbereitet. Ein ehrliches Gespräch auf Augenhöhe wirkt hier oft Wunder.
So gelingt die Prävention im Betrieb
Ein vorzeitiger Ausstieg lässt sich fast immer verhindern. Die Lösung liegt in einer besseren Ausbildungsqualität. Das beginnt schon vor dem ersten Arbeitstag.
Ehrliche Erwartungen statt falscher Versprechen
Schuld an frühen Austritten sind oft geschönte Informationen im Vorfeld. Passt die Realität nicht zum Hochglanz-Prospekt, folgt rasch die Enttäuschung.
- Genau hier setzen wir an.
Auf LehreCheck zeigen wir Betriebe transparent und stellen Lehrberufe in unserem Videoformat „Anpacken oder Abkacken“ absolut praxisnah vor. Wir zeigen einfach, wie der Alltag dort wirklich aussieht, und beugen so falschen Erwartungen und frühen Austritten vor.

Der erste Tag im Betrieb
- Erstellen Sie einen klaren Einarbeitungsplan.
- Begrüßen Sie das neue Teammitglied herzlich im Team.
- Stellen Sie am besten einen etwas älteren Lehrling als feste Patenperson (Buddy) zur Seite. Warum? Unter Jugendlichen ist die Hemmschwelle für Fragen besonders gering.
Kleine Erfolge statt ewiges Handlanger-Dasein
Jugendliche wollen etwas leisten. Wer wochenlang nur Werkzeug holt oder die Halle fegt, verliert schnell die Motivation.
Geben Sie lieber kleine, eigenständige Aufgaben mit sichtbaren Ergebnissen vor. Das stolze Gefühl, etwas selbst geschafft zu haben, motiviert extrem.
Fragen Sie auch aktiv nach der Meinung Ihres Lehrlings. Ein einfaches: „Wie würdest du an dieses Problem herangehen?“ bewirkt oft Wunder. Es zeigt den Jugendlichen, dass sie als vollwertige Teammitglieder geschätzt werden.
Fünf Schritte für einen erfolgreichen Start:
- Ein herzliches Willkommens-Erlebnis im gesamten Team organisieren.
- Einen etwas älteren Lehrling als Patenperson (Buddy) bestimmen. Die Hemmschwelle für Fragen ist unter Jugendlichen besonders gering.
- Klare, erreichbare Ziele für die ersten Wochen setzen.
- Regelmäßiges, ehrliches Feedback auf Augenhöhe geben.
- Bei Problemen gemeinsam nach Lösungen suchen.
Gute Prävention ist das beste Werkzeug. Suchen Sie frühzeitig den Kontakt. Sprechen Sie auch mit den zuständigen Berufsschullehrer*innen.
Gemeinsam finden Sie immer gute Konfliktlösungswege. So sichern Sie die Zukunft Ihres Betriebs.
Sichern Sie sich Ihre Fachkräfte von morgen
Möchten Sie Jugendliche von Anfang an mit echten Einblicken überzeugen und Fehlentscheidungen im Vorfeld verhindern? LehreCheck bietet Ihnen dafür zwei starke Hebel:
- Schluss mit Fehlbewerbungen: Über unsere Plattform nutzen Jugendliche vorab einen Stärken- und Interessentest. So bewerben sich bei Ihnen nur Talente, deren Fähigkeiten und Interessen zu Ihrem Lehrberuf passen.
- Transparenter Videodreh: Wir drehen mit Ihnen eine Folge unseres Formats „Anpacken oder Abkacken“. Wir präsentieren Ihren Betrieb absolut echt und nahbar. Da wir Lehrberufe nur vereinzelt und exklusiv drehen, gilt hier das Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Sichern Sie sich Ihre Fachkräfte von morgen
Mit unserem Test und ehrlichen Videos bringt LehreCheck Sie direkt mit den passenden Talenten für Ihren Betrieb zusammen.
Nützliche Links & offizielle Anlaufstellen
- Coaching-Initiative Lehre statt Leere Dieses geförderte und für Sie kostenlose Programm bietet in Österreich professionelle Begleitung und Coaching für Lehrlinge sowie für Lehrbetriebe in herausfordernden Phasen an.
- Zahlen und Fakten des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) Hier finden Sie die aktuelle Lehrlingsstatistik für Österreich. Diese Daten helfen Ihnen, Entwicklungen auf dem Lehrstellenmarkt besser zu verstehen.
- Angebote des Arbeitsmarktservice (AMS) Hier finden Betriebe auch finanzielle Förderprogramme zur Unterstützung und wichtige Informationen zur regionalen Arbeitslosenquote.
- Infos für Lehrbetriebe der Wirtschaftskammer (WKO) Die WKO bietet umfassende rechtliche und praktische Unterstützung für Lehrberechtigte. Hier finden Sie alle gesetzlichen Grundlagen, Musterverträge und Tipps zur Konfliktlösung im Betrieb.
Häufige Fragen
Verfasst von Patrick Bergher
Juli 2026
Patrick absolvierte eine Doppellehre als Elektrotechniker und Metallbautechniker und sammelte fast zehn Jahre Berufserfahrung in der Industrie. Heute studiert er Architektur an der Universität Innsbruck und verbindet praktisches Know-how mit akademischem Wissen.
Als Mitgründer von LehreCheck setzt er sich dafür ein, Jugendlichen eine ehrliche und verständliche Orientierung bei der Berufswahl zu geben. Er ist überzeugt: Eine Lehre ist kein Plan B, sondern ein starker Start in eine erfolgreiche Zukunft – mit weit mehr Möglichkeiten, als viele glauben.








