Lehre mit Matura in Österreich

Die Wahl des richtigen Ausbildungswegs ist eine weitreichende Entscheidung. Soll nach der Pflichtschule eine praktische Ausbildung im Betrieb oder der Weg zur Matura gewählt werden? Das Modell der Berufsmatura verbindet diese beiden Bildungswege.

Hier möchten wir sachlich und neutral über alle Fakten, Abläufe, Voraussetzungen und Hürden aufklären.

Ein Lehrling macht sich am Schreibtisch Notizen in ein Lehrbuch über Grundlagen der Elektrotechnik.
Ein Lehrling in Latzhose arbeitet mit einem Schraubenzieher an einem geöffneten Schaltschrank in einer Werkstatt.

Was ist die Berufsmatura?

Das kostenlose Modell Berufsmatura: Lehre mit Reifeprüfung übernimmt alle Gebühren für die Vorbereitungskurse und Prüfungen.

Die Lehrlinge erlernen einen regulären Lehrberuf im Betrieb und bereiten sich parallel auf die Matura vor. Das erlangte Maturazeugnis öffnet den uneingeschränkten Zugang zu Universitäten, Fachhochschulen, Kollegs und Akademien.

Die Kombination Lehre und Matura verbindet Praxis und Theorie. Absolvierende mit einer Lehrausbildung und anschließendem Studium stehen oft früher auf eigenen Beinen. Sie sammeln wertvolle Berufserfahrung und verdienen bereits eigenes Geld. Dennoch erfordert diese Berufsmatura eine sehr hohe Selbstdisziplin.


Gleichstellung mit der normalen Matura

Die Berufsmatura ist der klassischen Schulmatura (AHS/BHS) rechtlich vollkommen gleichwertig. Sie verleiht die uneingeschränkte Hochschulreife in ganz Österreich und ist auch im öffentlichen Dienst voll anerkannt.

Im Unterschied zur Schulmatura werden statt aller Schulfächer nur vier Kernbereiche geprüft. Dies sind Deutsch, Mathematik, eine Fremdsprache und der persönliche Fachbereich. Das fachliche Niveau ist durch die bundesweite Zentralmatura dennoch identisch.

Drei Jugendliche unterhalten sich lachend mit Papieren in den Händen vor einem modernen Gebäude.

Informationen für Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte

Dieses Modell betrifft Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte gleichermaßen. Nur durch eine gute Abstimmung gelingt der Einstieg in diesen Ausbildungsweg. Im Folgenden werden die wichtigsten Fragen zum Einstieg und den Rahmenbedingungen beantwortet.

Einstieg und rechtliche Regeln

Vor dem Start durchlaufen die Jugendlichen ein standardisiertes Aufnahmeverfahren. Zuerst erfolgt eine digitale Potenzialanalyse des Wissenschaftsministeriums. Diese zeigt individuelle Stärken und Schwächen auf.

Danach starten kurze Vorbereitungslehrgänge. Manchmal wird hierfür auch ein kurzes Motivationsschreiben verlangt. Ein anschließender Kompetenztest entscheidet über die endgültige Aufnahme.

Vor dem Start der Lehre mit Matura durchlaufen die Jugendlichen ein standardisiertes Aufnahmeverfahren - LehreCheck klärt auf

Die vier Prüfungsfächer

Die Ausbildung umfasst insgesamt 900 Unterrichtseinheiten. Der Lehrstoff teilt sich in vier Bereiche auf:

Altersgrenzen und Fristen für Prüfungen

Der Gesetzgeber regelt den Ablauf sehr genau:

  1. Insgesamt müssen die Teilnehmenden vier Teilprüfungen positiv absolvieren.
  2. Drei dieser Prüfungen dürfen bereits während der aktiven Lehrzeit abgelegt werden.
  3. Die vierte und letzte Prüfung darf erst nach der Lehrabschlussprüfung erfolgen.
  4. Für diese letzte Teilprüfung gilt ein Mindestalter von 19 Jahren.
  5. Maximal drei Prüfungen dürfen direkt beim Erwachsenenbildner (WIFI oder BFI) abgelegt werden. Mindestens eine Teilprüfung muss verpflichtend an einer öffentlichen höheren Partnerschule (der Zulassungsschule) vor einer staatlichen Kommission absolviert werden.
  6. Ab dem Start des ersten Kurses haben Jugendliche maximal 5 Jahre Zeit, um alle vier Prüfungen abzuschließen.
  7. Pro Fach sind maximal 4 Antritte erlaubt (Erstprüfung und 3 Wiederholungen). Wer nach dem vierten Versuch negativ beurteilt wird, ist für dieses Fach österreichweit dauerhaft gesperrt. Das bedeutet das endgültige Aus für das Erreichen des Maturazeugnisses auf diesem Weg.


Die Bedingung für den kostenlosen Status 

Obwohl das Programm gratis ist, gilt eine wichtige Frist. Die Teilnehmenden müssen mindestens eine Teilprüfung vor dem Ende der Lehrzeit erfolgreich absolvieren.

Zur Lehrzeit zählt in diesem Fall auch die gesetzliche Behaltezeit nach dem Lehrabschluss. Diese beträgt meist drei Monate. Wird bis zum Ablauf dieser Frist keine Prüfung positiv abgelegt, erlischt die Förderung. Alle weiteren Lehrgänge müssen dann privat bezahlt werden.

Der kostenlose Status der Lehre mit Matura ist an bestimmte Bedingungen geknüpft - LehreCheck klärt auf
der Realitätscheck

Die verschiedenen Lernmodelle im Alltag

Für die Integration des Unterrichts in den Alltag gibt es verschiedene Organisationsformen. Diese müssen zwischen dem Jugendlichen und dem Betrieb genau abgestimmt werden.

  1. Abendkurs

    Das Freizeitmodell als Abendkurs

    Die Vorbereitungskurse finden außerhalb der normalen Arbeitszeit statt. Meistens liegen die Termine am Abend oder am Samstag.


    Vorteil: Der Lehrbetrieb muss dem Modell nicht formell zustimmen. Der betriebliche Alltag läuft unverändert weiter.


    Nachteil: Die Belastung für die Lehrlinge ist durch die Doppelbelastung von Arbeit und Schule extrem hoch.

  2. Integriert

    Das integrierte Modell während der Arbeitszeit

    Hierbei wird der Unterricht in die wöchentliche Arbeitszeit integriert. Das erfordert eine schriftliche Vereinbarung zum Lehrvertrag. Es gibt zwei Varianten:


    Mit Lehrzeitverlängerung: Die Ausbildungszeit wird gesetzlich gestreckt. Eine dreijährige Lehre verlängert sich beispielsweise auf dreieinhalb Jahre. Das kollektivvertragliche Einkommen wird auf diese längere Zeit aufgeteilt.


    Ohne Lehrzeitverlängerung: Die Dauer der Lehre bleibt gleich. Der Lehrbetrieb stellt den Lehrling für die Kurszeiten unter voller Fortzahlung des Entgelts frei. Die Kurszeit gilt als reguläre Arbeitszeit.

  3. Anwesenheit

    Anwesenheitspflichten im Unterricht

    Die Teilnahme an den Kursen ist streng geregelt. Jugendliche müssen eine hohe Präsenz nachweisen, um im Programm zu bleiben. Die genaue Grenze hängt vom jeweiligen Bundesland ab.


    In den meisten Bundesländern gilt eine Mindestanwesenheit von 75%. In manchen Regionen wie Oberösterreich wird sogar eine Anwesenheit von 100% verlangt. Jedes Fehlen muss durch eine ärztliche Bestätigung oder eine Entschuldigung des Betriebs belegt werden. Bei unentschuldigtem Fehlen droht der Ausschluss aus dem kostenlosen Programm.

Steuerliche Vorteile für Familien

Die Kurse selbst sind kostenlos. Dennoch fallen im Alltag Nebenkosten für Bücher oder Fahrten an. Wenn ein beruflicher Bezug vorliegt, können Familien diese Ausgaben beim jährlichen Lohnsteuerausgleich als Werbungskosten geltend machen.

Die Lehre mit Matura bringt in Österreich steuerliche Vorteile für Familien mit sich - LehreCheck klärt auf
KostenartVoraussetzungen für das Finanzamt
FahrtkostenNachweis der Fahrten zum Kursort (Kilometergeld).
FachliteraturDer genaue Buchtitel muss auf der Rechnung stehen.
Computer und TabletAbsetzung über 3 Jahre (Abzug von mindestens 40% Privatanteil).
VerpflegungTaggeld bei Kursen über 11 Stunden abseits des Wohnorts.

Die klassische Berufsreifeprüfung als Alternative

Manche Jugendliche wissen bereits vor oder während der Ausbildung ganz sicher, dass sie studieren möchten. Wenn das Modell Lehre mit Matura durch die Doppelbelastung zu lange dauert, gibt es einen schnelleren Weg.

Die klassische Berufsreifeprüfung kann nach dem Lehrabschluss in einem einzigen Jahr in Vollzeit absolviert werden. Regionale Bildungsanbieter wie das WIFI oder das BFI bieten dafür spezielle Tageskurse an. Der Vorteil liegt in der vollen Konzentration auf den Lernstoff, ohne parallele Arbeit im Betrieb.

Ein wichtiger Unterschied liegt jedoch in der Finanzierung. Während das Programm Lehre mit Matura komplett kostenlos ist, fallen für die klassische Berufsreifeprüfung meist Kursgebühren an. Für diese Kosten können Absolvierende jedoch oft verschiedene staatliche Förderungen oder Bildungskonten der Bundesländer nutzen.


Informationen für Betriebe und Personalverantwortliche

Mit diesem Modell können Betriebe gezielt Fachkräfte ausbilden und dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Besonders für Personen mit bereits vorhandener Allgemeinbildung ist das Modell interessant.

Jugendliche mit einer AHS-Matura können eine verkürzte Lehre absolvieren. Diese verkürzte Ausbildung läuft nach einem festen Zeitschema ab - dieses haben wir in der Tabelle untenstehend abgebildet.

Ein junger Tischler bearbeitet Holz mit einem Stechbeitel an einer Werkbank, während ein älterer Mann zuschaut.
Reguläre LehrzeitVerkürzte Lehrzeit mit MaturaAufteilung der Ausbildungsphasen
3 Jahre2 Jahre3 Phasen zu je 8 Monaten
3,5 Jahre2,5 Jahre3 Phasen zu 8 Monaten, letzte Phase 6 Monate
4 Jahre3 JahreErste Phasen verkürzt, letzte Phasen gestreckt
Schema für die Lehrzeitverkürzung

Die Pflichten für den Ausbildungsbetrieb

Unternehmen müssen formale Fristen einhalten. Der Lehrvertrag muss alle gesetzlichen Daten wie Lehrlingseinkommen und Vorsorgekasse enthalten.


Der Ausbildungsbetrieb muss den Vertrag innerhalb von drei Wochen bei der Wirtschaftskammer anmelden. Die Anmeldung für die Berufsschule muss innerhalb von zwei Wochen erfolgen. Die Anmeldung bei der Gesundheitskasse muss zwingend vor dem ersten Arbeitstag erledigt sein.

Staatliche Förderungen für Unternehmen

Der Staat unterstützt Lehrbetriebe mit verschiedenen finanziellen Hilfen:

  1. WKO-Basisförderung: Betriebe erhalten nach jedem Lehrjahr eine Förderung, die sich nach der Höhe des Lehrlingseinkommens richtet.
  2. Rückerstattung bei Freistellung: Beim integrierten Modell ohne Verlängerung zahlt der Bund das Gehalt für die Kurszeiten über die Initiative "Lehre.fördern" zurück.
  3. Vorbereitungskurse: Kurse für die Lehrabschlussprüfung (LAP) werden für den Betrieb zu 75% gefördert.
  4. Erfolgsprämien: Schließt ein Lehrling die Abschlussprüfung mit gutem Erfolg oder Auszeichnung ab, erhält der Betrieb eine Prämie von bis zu 250 Euro.
Ein Handwerker blickt lächelnd auf ein Tablet an einem Tisch mit Plänen, im Hintergrund steht eine CNC-Maschine.

Herausforderungen und Abbrüche im Überblick

Die Berufsmatura ist kein einfacher Weg. Statistiken zeigen, dass die durchschnittliche Abbruchquote bei rund 36% liegt. Etwa jeder dritte Teilnehmende beendet das Programm vorzeitig. Das liegt vor allem an der hohen zeitlichen Belastung.


Eine Befragung von Statistik Austria zeigt die häufigsten Gründe für einen Ausbildungsabbruch:

Beratung und Unterstützung

Die Entscheidung für das richtige Lernmodell will gut überlegt sein. Eine neutrale Gegenüberstellung der Optionen hilft dabei, Fehlentscheidungen zu vermeiden. Eine rechtzeitige Beratung bei den offiziellen Trägerorganisationen oder an den Schulen hilft dabei, den passenden Weg für die eigene Lebenssituation zu wählen.

Folgende Stellen bieten in Österreich passende Beratung an:

  1. WIFI Österreich: Hier finden Interessierte alle Informationen zu regionalen Beratungsstellen, Informationsveranstaltungen und direkten Anmeldemöglichkeiten in den jeweiligen Bundesländern.
  2. BFI Österreich: Diese Anlaufstelle bietet detaillierte Beratung zu Abendkursen, berufsbezogenen Modellen und Vorbereitungskursen für Jugendliche und Erwachsene.
  3. Förderportal der Wirtschaftskammer Österreich: Betriebe und HR-Verantwortliche können über dieses Portal die staatlichen Förderungen und finanziellen Rückerstattungen unkompliziert beantragen.
  4. Bildungsberatung der Arbeiterkammer: Diese Plattform bietet unabhängige Beratung sowie kostenlose Leitfäden und Informationsbroschüren zu allen finanziellen und schulischen Aspekten der Ausbildung.
Viele Stellen bieten in Österreich passende Beratung zum Thema Lehre mit Matura an - LehreCheck klärt auf

Häufig gestellte Fragen zur Lehre mit Matura

Hier eintragen und exklusiven Launch-Vorsprung sichern.

Updates erhalten